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Kein Gendern und kein Neusprech, aber Indianer



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Musik und Kunst - Kultur allgemein - lebt von Inspiration, von Austausch, von Kontroversen, von Provokation, vom Ausprobieren, vom Schaffen von Neuem, aus dem Nichts, aus Altem, aus dem, das es gibt, und dem, das es nicht gibt - noch nicht gibt; aus dem, das man sich vorstellen kann und dem, das unvorstellbar ist, vom Überschreiten von Grenzen. Kultur - Musik und Kunst - lebt von Freiheit!


Sprachpolizei gehört nicht dazu. Sprache ist etwas lebendiges, sie formt und wird geformt und passt sich gesellschaftlichen Änderungen an, oft nimmt sie diese voraus. Aber Sprache wird nicht durch Gesetze oder Vorschriften geschaffen. Das ist totalitär. Das ist die Art, wie autoritäre Staaten, Diktatoren und Tyrannen versuchen Kultur zu unterdrücken: indem sie zuerst die Sprache unterdrücken. Und darum werde ich auch nicht gendern.


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Wenn ich das generische Maskulinum verwende, meine ich eine unbestimmte Gruppe, in der Frauen als auch Männer sein können. Dann spreche ich z.B. von Musikern. Wenn ich von einer bestimmten Gruppe von Musikern spreche, z.B. den Musikern einer Band, und in dieser Band sind Frauen als auch Männer, dann spreche ich von Musikerinnen und Musikern. Spreche ich vor einem Publikum, in dem Frauen und Männer sitzen, dann spreche ich sie auch als liebe Zuhörer und Zuhörerinnen, als Freunde und Freundinnen oder z.B. als Genossen und Genossinnen an.

Denn auch ich bin z.B. ein Genosse und kein Genoss oder Genoss* oder nur *. Ich bin nicht einfach ein Zeichen und weder betrachte ich einen anderen Menschen als Zeichen, denke an ihn nicht als Zeichen noch spreche ich ihn als Zeichen an. Frauen mögen sich in dieser Wortkonstruktion wiederfinden. Wie sich eine queere Person durch einen * identifiziert sieht, ist mir schleierhaft. Ich als Mann tue es bei diesem Wortkonstrukt jedenfalls nicht. Da frage ich mich, ob es überhaupt um gleiche Rechte geht? Um Gleichberechtigung? Um Gleichstellung? Oder geht es hier einfach darum, jetzt den Spieß mal umzudrehen?


Ich habe - hoffentlich - niemals jemanden sprachlich diskriminiert. Und wenn ich ein Zigeunerschnitzel bestelle, betrachte ich es eher als eine Auszeichnung oder Anerkennung, denn damit verbinde ich Paprika, würzige Sauce, die mir schmeckt, ungarische Puszta, Weite, Freiheit, Zigeunerleben in bemalten Holzwagen, Lagerfeuer, Gitarrenmusik. Zugegeben, das mag romantisch, vielleicht auch romantisiert klingen, das mag ein abgedroschener Stereotyp von Zigeunern und Zigeunerleben sein. Vielleicht können Zigeuner, heute Sinti und Roma, vielleicht können sie mit diesen Bildern gar nichts mehr anfangen. Für mich ist es etwas positives. Es ist aber mit Sicherheit keine Herabwürdigung.

Das meinte sicher auch nicht Johann Strauss, als er die Operette "Der Zigeunerbaron" schrieb. Das meinte sicher auch nicht Uriah Heep, als sie 1970 den Song "Gypsy" veröffentlichten, übrigens auf der LP "very 'eavy, very 'umble" mit dem so bekannten wie genialen "Antikriegs"-Song "Come Away Melinda". Und selbst die Brüder Reyes und Baliardo, Nachfahren der während des spanischen Bürgerkriegs nach Frankreich geflüchteten Kale-Roma, nannten sich in den 1980ern Gypsy Kings: Zigeunerkönige. Dann kann der Begriff so schlecht ja nicht sein.


Und wenn wir gerade dabei sind:

Als Kind war ich zu Karneval am liebsten Indiander. Ich hatte ein Hemd aus Jute- oder Hanfgeflecht, bestickt mit Perlen, verschönert mit Fransen und bunt bemalt. Ich war stolz, ein Indianer zu sein, ich bewunderte ihre Kultur, ihren Mut, ihre Sprache, ihren Stolz, ihre reiterischen Fähigkeiten und das Bogenschießen. Und das Größte für mich war, als ich tatsächlich einen richtigen Federschmuck geschenkt bekam und aussah wie ein richtiger Häuptling. Gut, ich war noch ein Kind. Ich wußte nichts von den unwürdigen und totbringenden Verhältnissen in den Reservaten. Und auch hier mag alles verklärt sein. Aber ich war lieber Indianer als Cowboy. Wie PUR in "Indianer" singt: "Wir waren bunt bemalt und mit wildem Schrei stand jeder stolze Krieger den Schwachen bei."

Ich habe mir nichts angeeignet, ich habe nicht beleidigt, niemanden diskriminiert und schon gar nicht unterdrückt. Im Gegenteil: es war ein Ausdruck meiner Wertschätzung und meiner Liebe für diese Kultur - und ist es bis heute! Und darum dürfen Kinder bei mir so lange Indianer sein und spielen, wie sie wollen.


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Geschichte wird nicht dadurch gerechter, dass man demonstrativ und plakativ Dinge daraus entfernt. Es ist trotzdem alles so geschehen. Nur weiß dann keine/keiner mehr damit umzugehen, denn er/sie weiß ja nicht einmal mehr, was passiert ist. Nach Richard Wagner, der zwischenzeitlich als Antisemit beschimpfte Komponist, darf hier in Deutschland in Berlin nicht einmal mehr ein Platz benannt werden. Welch eine moralische Anmaßung heutig Geborener zu meinen, die damaligen Lebensumstände, die politischen und gesellschaftlichen Gegebenheiten auch nur annähernd begreifen zu können. Wir müssten unsere gesamte Geschichte löschen. Denn über Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende war es bspw. normal, Sklaven, Untergebene, Diener zu schlagen. Und auch Frauen, wenn sie in der Position waren, haben Macht und Gewalt ausgeübt. Es galten andere gesellschaftliche und vor allem moralische Werte. Das war nicht gut, aber das war eben so. Wer kann denn das ernsthaft mit heutigen Maßstäben messen wollen? Selbst in Israel - wenn auch kontrovers diskutiert - wird Richard Wagner für seine genialen Kompositionen gehört und gefeiert.

Interessant ist aber, dass genau dieselbe Landesregierung in Berlin, die Plätze und Straßen wegen antisemitischer Gesinnung der Namensgeber umbenennt, den Mob durch die Straßen Neuköllns und Kreuzbergs ziehen und Hass- und Mordaufrufe gegen Juden schreien läßt. Ob da mal nicht jemand*in in der Zukunft diese Landesregierung aus der Geschichte tilgt?

Reißt man die Gedenkstätte, wie zwischenzeitlich in Berlin gefordert, mit dem daraufstehenden russischen Panzer T34 nieder, der 1945 dazu beitrug, Deutschland vom Übel des Dritten Reichs zu befreien, dann mag man Russland damit treffen wollen und brüskieren, man mag sich in der heutigen Zeit als Gutmensch inszenieren. Aber man wird damit den historischen Fakten nicht gerecht: denn eben auch genau dieser Panzer hat dazu beigetragen, Deutschland vom Übel des Dritten Reichs zu befreien. Es ist ein Mahnmal und eine Gedenkstätte für den geleisteten Einsatz Millionen russischer Soldaten. Reißt man es nieder, so wird Geschichte "verdeckt", wird versteckt, gelöscht und die Leistung und die Opfer dieser Menschen nicht mehr gewürdigt. Es wird nicht mehr daran erinnert. Dann wird es vergessen. Und das ist falsch.


Ich für meinen Teil werde nicht mein Recht auf Freiheit aufgeben, ich werde mir nicht vorschreiben lassen, wie ich zu sprechen habe, welche Musik ich zu hören habe, werde nicht auf mein Recht auf Sprache und kulturellen Ausdruck verzichten, um mich letztendlich in einer homogenisierten Gesellschaft wiederzufinden, angepasst und kontrolliert, "beschützt" vor eigenen Gedanken und der Fähigkeit zu denken.



Thilo Illgner

Offenburg, im Mai 2022


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Zitat

“Worte sind Scheiße. Ich meine, alles ist schon gesagt worden.                                                                                        Worte sind nicht so wichtig wie die Energie, die von der Musik ausgeht."
Kurt Cobain